BERUF LOBBYIST. Vom Umgang mit Macht
Regie:  Oliver Göbel  Genre: Dokumentarfilm   Jahr: 2009    Format: HDV (16:9)    Länge: 45 min
Kamera: Markus Zucker, András Petrik, Marian Engel    Drehbuch: Oliver Göbel    Produzent: Susa Kusche, Lena Szameitat, Hartmut Bitomsky (dffb)
Darsteller: Reiner Knauber, Klaus-Peter Johanssen, Dr. Cartsen Kreklau, Carl Graf Hohenthal, Dr. Hermann Scheer, Rezzo Schlauch, Sören Mund, Ulrich Müller     
Ton: Jörg Kidrowski, Niklas Kammertöns, Juri von Krause, Simon Wolf, Gerome Burkhard    Schnitt: Petra Kader-Göbel    
Inhalt:  Dass politische Entscheidungen massiv von Lobbyisten beeinflusst werden, ist nichts Neues. In den letzten Jahren ist der Beruf des Lobbyisten allerdings zunehmend salonfähig geworden. Es handele sich lediglich um eine partnerschaftlich-vernünftige, fachkompetente und vor allem unabdingbare Politikberatung, heißt es. Stilistisch streng und ungewohnt freigiebig lässt dieser Film Lobbyisten selbst erläutern, wie sie konkret vorgehen, wieviel Einfluss sie wirklich haben, wie sie ihre Arbeit legitimieren und wo die Grenzen ihrer Macht liegen bzw. liegen sollten. Eine Provokation – denn ihrer rhetorisch geschickten Argumentation kann man sich kaum entziehen. So erfährt man gewissermaßen aus eigener Anschauung, wie das tatsächlich funktioniert – das Handwerk des Lobbyisten.

warum gescheitert: Vielleicht liegt der Grund für das Scheitern im Bereich der Verwertung darin, dass der Film formal streng nur mit Interviews arbeitet. Das liegt zum einen daran, dass wir uns stilistisch von einer Reportage unterscheiden wollten; zum anderen ist aber das Reden – und zwar das rhetorisch hervorragende Reden - gerade die Tätigkeit, durch die die Protagonisten sich als Lobbyisten auszeichnen. Das ist aber offenbar schwierig zu vermarkten. Ein Festivalleiter wies den Film beispielsweise mit dem Kommentar ab, da seien ja „nur talking heads“ drin. – Aber genau darum geht es ja bei diesem Thema! Derselbe Herr hätte sich übrigens gewünscht, dass man auch etwas über das Privatleben der Lobbyisten erführe. Und ob wir nicht eine 15-Minuten-Fassung schneiden könnten, dann ließe sich der Film vielleicht irgendwo als Vorfilm unterbringen...

Unser Kommentar: Ohne uns wäre die Politik keimfrei, sagt der Lobbyist und lächelt unwiderstehlich smart. Treffender kann man die Hypris von Minderheiten einer sich in Agonie befindlichen Gesellschaft nicht beschreiben. Da werden elementare Entscheidungsprozesse mit den eigenen Interessen infiziert, bis das der Patient hilflos nach vermeintlicher Rettung schreit. Das Ende der Polis(=Staat) als Allgemeingut ist die Privatisierung desselben. Wenn der Entscheidungsträger die unbestechliche Aura eines Amtes zu Gunsten von Vorteilen nach seiner Amtzeit(G.Schröder) verschachert, dann ist diese legalisierte Korruption mitursächlich für den Frust der Bürger an der Politik. Der Lobbyist sollte das politische Tanzparkett erweitern und nicht den DJ spielen! Das Problem ist nicht die Gier, der Lobbyist hält sich für moralisch überlegen, nein, die Demokratie-Agonie begann mit dem freien Zugang zum Schweinetrog für hemdsärmelige Politikprofis, samt befreundeten Studienkollegen(neudeutsch Seilschaften). Im Gesundheitsministerium hat die Pharmalobby einen eigenen Schreibtisch, die Betroffenen, also die Patienten nicht einmal Zugang zum Gästeklo! Dennoch "Hut ab" vor solch offener Ehrlichkeit. Zum Weiterlesen: http://www.lobbycontrol.de/