Regie:
ulla berlin Genre: Unsauberer Dogmafilm Jahr: 2001 Format: miniDV Länge: 90 min
Kamera: ulla berlin Drehbuch: ulla berlin
Darsteller: Joachim Raaf - Schwager Berthold
Holger Irrmisch - ältere Sohn Sebastian
Michael Baral - jüngere Sohn Hannes
Ariane Erdelt - Tochter Simone
Thérèse Berger - Laila (Freundin von Sebastian)
Lauretta Hickman - Exgeliebte Sebastian, Ehefrau eines Politikers
Christian Pfeil - junger unerfahrener Polizist
Ton: Erika Steubner Schnitt: ulla berlin
Inhalt: Eine bekloppte Mutter lädt ihre zwei erwachsenen Söhne im Juni zum Weihnachtsfest ein. Der alternativ wirkende Sebastian kommt mit seiner türkischen Freundin Laila angereist. Der jüngere Bruder Hannes dagegen wirkt zuerst in seinem Z 3 wie der geborene New-Age-Gewinner. Es gibt Suppe, die es gesalzen hat: im Verlauf des Abends sickert immer mehr durch, daß die einzige Tochter Simone erschossen wurde. Alle Verdächtigen den Schwager Berthold, der es aber nicht gewesen sein kann. Wer dann? Der Film besticht durch seine hohe Emotionalität gerade der männlichen Darsteller und verblüfft durch seine außergewöhnlichen mehrfach überlagernden schnellen Schnittweise. "Auch die Kühe kommen neurotisch rüber," kommentiert ein Betrachter diesen außergewöhnlichen Film. Die Verfließung zwischen Real- und Spielfilm ist spindelerregend: Es findet keine Unterscheidung statt, es wurden sowohl dokumentarische Sequenzen verwendet als auch Spielfilmszenen gedreht und miteinander / ineinander geschnitten. Der Film wurde in nur 13 Tagen realisiert. Die Weihnachtslieder von Marlene Dietrich wie "Glocken läuten" z.B. setzt der makaberen emotionalen Ebene dieses für Deutschland sehr außergewöhnlichen mutigen Film das Sahnehäubchen auf! - Gerade in der Vorweihnachtszeit der ideale Alternativ-Weihnachtsfilm!!!
warum gescheitert: keine zeit mich um die weiterverwertung zu kümmern, 20 kopien an kommunale kinos, die unbeantwortet blieben, an german films gegeben - fanden sie gut, festival genannt zur einreichung, wieder nicht zur einreichung gekommen...
Unser Kommentar: Eine Geschichte ist geschichtete Wirklichkeit. Selten fein säuberlich übereinander für den Wäscheschrank vorsortiert, oft wie Erdkrusten aufgeworfen, bruchstückhaft, vulkanisch erosiert. Was ein hochdotierter Tatort-Regisseur oft vergeblich versucht, ist Ulla Berlin gelungen: in jedem Moment dieses Krimis den Anfang, das Ende und alle anderen Möglichkeiten gleichzeitig zu zeigen. Immer meint man die Geschichte zu kennen, ist dennoch höchst verwirrt und irritiert am Schluss, über alle Zweifel verstiegen, zu erkennen, ja den Film kannte ich. Weihnachten im Juni ist der Titel, zurecht. Das einzige was fehlte war der Schnee. Ein gekonnt unsauber geschichtetes Dogma-Kalkül.