Der Kompromiss
Regie:  Harald Holstein  Genre: Parabel  Jahr: 2005    Format: 16:9    Länge: 20 min
Kamera: Martin Bargiel, Daniel Bitsch    Drehbuch: Harald Holstein    Produzent: Harald Holstein
Darsteller: Laetitia Mazotti Andreas Jessing Alfred Then Dieter Wahlbuhlu.a.    
Ton: Norbert Meyer    Musik: Damian Galinski    Schnitt: Harald Holstein    
Inhalt:  Eine angehende Lehrerin verweigert sich dem Standard von Freizügigkeit in der Kleidung und möchte persönliche Empfindungen gegen das Gängige und allgemein Geforderte durchsetzen. Sie wird jedoch von den Schülern ihrer Klasse gemobbt. Verzweifelt versucht sie bei dem Direktor der Schule Gehör für ihre Gefühle und Werte zu finden. Schließlich muss sie vor Gericht mit dem Anwalt ihres Vorgesetzten um ihre Anstellung kämpfen. "Der Kompromiss" ist ein Film über gesellschaftliche Normen und den Zwang zur Anpassung, eine vielseitig übertragbare und allgemeine Parabel über Verweigerung und die Macht des Üblichen.

warum gescheitert:  Der Kurzfilm ist 'textlastig'. Ein Film, bei dem man genau zuhören muss, wie im richtigen Leben. Die Argumentation hat dokumentarischen Anspruch und wirkt sehr sperrig. Die filmische Umsetzung ist dafür etwas zu spröde und theatralisch geraten. Das und die thematische Nähe zum Kopftuchverbot sind wohl der Grund, dass der Film nie eingeladen wurde. In kleinem Kreis hat er wunderbare Diskussionen und Gespräche ausgelöst. Aber die klare Kritik, der Hang des Drehbuchs zum Bitterbösen und Sarkastischen, das Drastische hat die Entscheidungsträger abgehalten, den Film einem größeren Publikum zu erlauben. Insofern ist der aufklärerische Ansatz gescheitert. Gescheitert ist auch die Hauptfigur des Kurzfilms, da sie kein Gehör und kein Verständnis findet für ihre ganz privaten Gefühle und Bedürfnisse, die in Wahrheit immer von politischer Bedeutung sind. Die 'Integration', die sie zur Selbsterhaltung leisten muss, ist ein bitterer Kompromiss.

Unser Kommentar: Ja, dieser Film ist kopflastig. Aber das liegt nicht an Harald Holstein, sondern am System. Am System der verbürokratisierten Lehre. Durch die Verkehrung der Argumente einer pseudoaufgeklärten Gesellschaft entblößt Holstein den Mechanismus der gruppendynamischen Geschmackverirrung. Hier wollte ein Mensch nur schlicht sein. Aber die Gesellschaft befiehlt Partytime. Da ist jeder Verweigerer Spielverderber und ziemlich schnell arbeitslos. Holstein hat Monte-Phyton-Qualitäten.