Trooping the Colour
Regie:  Tobias Sandberger  Genre: experimentelle, halbinszenierte Reisedokumentation  Jahr: 1994    Format: U-matic(verfügbarals    Länge: 50 min
Kamera: Tobias Sandberger und Thitz    Produzent: PHITZPHILM
Darsteller: Tobias Sandberger und Thitz    
Ton: Tobias Sandberger und Thitz    Schnitt: Tobias Sandberger und Thitz    
Inhalt: Ein Rot-Grüner Ritter macht sich mit seinem Knappen nach (Groß)britannien auf, um (frei nach William Blake), die goldene Stadt "Jerusalem in Englands green and pleasant land" zu finden. In ihrem Reisegepäck befindet sich William Caxtons: "A description of Britain", eine Art "Baedeker" des Spätmittelalters und nebenbei eines der ersten gedruckten Bücher eine Art "Baedeker" des Spätmittelalters und nebenbei eines der ersten gedruckten Bücher in englischer Sprache, dessen Texte, (unter anderem typographisch animiert) in englischer Sprache, dessen Texte, (unter anderem typographisch animiert) wie ein Leidfaden der dubiosen Reise durch Raum und Zeit wirken. Der Film ist das Dokument einer tatsächlichen Reise die die Autoren unternommen haben und die sie als echtes Abenteuer und ohne festes Drehbuch erlebt haben, ohne zu wissen, was geschehen würde. Als der Film fertig war, stellte sich heraus, daß er eigentlich hauptsächlich vom "Scheitern" handelt: vom Scheitern an der "neuzeitlichen" Welt, vom Scheitern an einem Kindheitstraum, vom Scheitern an den eigenen Kräften, und vom Scheitern, leider auch, am Verständnis eines Großteils des Publikums... Trotz dem, dass dieser Film (schon aufgrund seiner eigenartigen Länge von 50 min.) vielleicht zum Scheitern verurteilt war, hat er auch immerwieder wenige, aber glühende Fans für sich gewonnen.

warum gescheitert: Die Figuren des Films erinnern zwangsläufig natürlich auch an den berühmten spanischen "Ritter von der traurigen Gestalt", und seinem Knappen, der ja geradezu zum Symbol für das Scheitern geworden ist. So gesehen passt unser Film natürlich auch sowieso wunderbar zu Eurem Thema, und es würde mich freuen, wenn es zu einer Aufführung kommen würde, obwohl der Film schon so alt ist. P.S.: Tipp: An dieser Stelle möchte ich gerne noch auf einen anderen Film aufmerksam machen, in dem es ebenfalls um "Don Q." und das reale Scheitern Terry Gilliams geht, der sich einst an das Thema herangewagt hatte und gescheitert war. Der Film heißt "Lost in la Mancha" und ist wirklich sehenswert. Was ich ausserdem noch gerne loswerden wollte, ist die Anregung, mal ein Festival zu machen,das nur Filme mit aussergewöhnlicher, ungenormter Spieldauer zulässt (also Filme zwischen 30 und 60 minuten), die es ja anscheinend gar nicht geben darf, da sie das sichere "AUS"

Unser Kommentar: Es ist als hätte Monty Phyton einen Geschichtsfilm über Great Britain gedreht. Gespannt schauen wir den traurigen Rittern der Kokusnuss zu, wie sie England von Süd nach Nord durchstreifen, und die historischen Orte vor unseren Augen aufblättern. „York, hat so viele Mauern aber keine Toiletten.“ Da wird dem beflissenen und sonst so verstaubten Historiker klar, dass es so etwas auch bei uns gibt. „England hatte keine großen Maler.“ Klar, der Maler braucht die Farbe und England ist grau, und dunkel. Daher musste der Künstler die Augen schließen, damit er die Bilder, die Schlösser(Aircastles), die Gärten(gardens) wenigsten im Kopf hatte. Dies erklärt vielleicht den englischen schwarzen Humor, den Sinn für Obskure, die verschrobene Metaphysik, das Geheimnisvolle. Der Begriff Horror wäre sicherlich ein rein englischer geworden, hätte nicht William der Eroberer die altehrwürdigen Städte wie York so hemmungslos und robust zerstört (neudeutsch: nieder reformiert). Aber weiter in die nächtlichen Exkursionen, vorbei an frühgotischen Kirchtürmen, morbiden Friedhöfen und den mageren Fassaden von Glasgow. Zwischendrin auch mal ne Kuh, die mehr von der Weide versteht als irgendein Anderer. Das macht ihren klugen Blick. Die heilige, die. Wo die Ratio nahe an der Stirne ist die Irratio nicht ferne. Herrlich wie die Natur, die Kuh dabei mitspielt. „Institutionen sind wie Kleider, sie sind nutzen sich ab. Hören irgendwann auf, bequem zu sein, schützen nicht mehr“.(Stimmt, war doch Kalle Marx lange da drüben) England die alte Mutter(Uroma) der Demokratie hat alle überdauert, denn England liegt auf einer Insel(in sula: im See, im Meere der Seeligen!) Dennoch am Ende unserer Betrachtung schauen wir den Realitäten(auch so ein englisches Zuckerhäppchen) tief in die Augen und sehen Müllberge. Müllberge! Schlamm! Morast! Sind Zeugen eines prägnant inszenierten Kampfes und den drauf folgenden Untergang im Geschichtsmüll(Landser, wohin gehst du?) Ja unser historisches Entertainment mit all den Facetten und Verweisen, unterirdischen Zu- und Abläufen hat Material genug für eine ganze Doktorarbeit. Am Ende geht der Held allein gen Westen, nicht in die Sonne, wir sind ja in England, da ist es ja immer diesig, aber gen Westen, das weiß man, mit der Rüstung der Geschichte in der Hand. Schade das die Qualität(U-matic) so schlecht ist. Aber vielleicht kommt das FWU dahinter und eist was los von ihrem Etat für eine mal ganz anders gestaltete Geschichtsstunde.