stille weiher
Regie:  Oliver Held  Genre: experimenteller Dokumetarfilm  Jahr: 1998    Format: BetaSP    Länge: 38 min
Kamera: Harald Mittermüller, Roman Valent, Georg Widerin    Produzent: Oliver Held
Darsteller: Romy Schneider, Kirk Douglas, Peter Weibel, Holger van den Boom, Ilona Sarmany Parsons, Wolfgang G. Fischer    
Ton: Winfried Bettmer    Musik: Burkhard Fincke, Anja Kreysing    
Inhalt: Gustav Klimt auf der Suche nach dem Kunstwerk der Gegenwart. Stille Weiher findet, basierend auf der Malerei Klimts, Gründe warum Kitsch - Kunst, Kunst - Kitsch und Kunst - Kunst ist oder auch nicht. Wer darf wissen und wer darf werten? In einem ornamentaler Strom von Bildern, Aussagen und Aktionen versucht dieser Film, auf eine, dem Jugendstil-Maler entsprechende Weise, dessen Oeuvre zu dokumentieren und in Bezug zur Gegenwart kritisch zu diskutieren. In einem ornamentaler Strom von Bildern, Aussagen und Aktionen versucht dieser Film, auf eine, dem Jugendstil-Maler entsprechende Weise, dessen Oeuvre zu dokumentieren und in Bezug zur Gegenwart kritisch zu diskutieren. Klimt wird gnadenlos vermarktet. Es gibt ihn auf Teedosen, Regenschirmen, Memorykarten und und und. Klimt wird gnadenlos vermarktet. Es gibt ihn auf Teedosen, Regenschirmen, Memorykarten und und und. Und in Katalogen. Wenn das nicht so wäre, würden die meisten ihn auch gar nicht kennen. Seine Bilder hätten viel seltener die Chance Kunst zu werden, da man sie viel seltener betrachten würde. Klimt, der als erster behauptete, daß das Kunstwerk erst im Betrachter entsteht, sieht jetzt sein Werk durch Reproduktionen erweitert. Ein Künstlerportrait, das ohne "Abfilmen" auskommen  will und sich die Mühe macht die Bildwelt des Künstlers nachzuempfinden.

warum gescheitert: Vielleicht war das Projekt zu engagiert. Absicht war es  einen Film zu machen, der dramaturgisch wie ein Gemälde von Klimt aus seiner goldenen Periode funktioniert. Das ist für den Betrachter recht ungewohnt. Da wir damals mit einem für einen Independent-Film zwar hohem aber für die geplante Ästhetik lächerlichen Budget gearbeitet haben, war für uns nach 6 Wochen Schnitt schluß. Der Schnitt fand auf bis zu 120 Videospuren statt und damals waren die Rechner und Netzwerke viel langsamer. So muß man leider eingestehen, dass es dramaturgisch ein paar Kanten gibt. Ästhetisch ist so etwas auch jetzt noch nicht so leicht herzustellen.

Unser Kommentar: Kunst im Zeitalter der Reproduzierbarkeit, der völligen Dekonstruktion bis zur Auflösung jedweder Originalität und Materialität begleitet die Säkularisierung des Geschmacks in den konzertierten Fundamentalschwachsinn und ist dabei das große Geschenk der Aufklärung an die nüchterne Gier von Kommerzpopanzen. Dieser medien-ästhetische Diskurs über einen Maler Namens Klimt zeigt diese Entwicklungen der Entästhetisierung der Wahrnehmung in eindimensionale gedankliche Räume. Klimt habe, sagt man, deshalb die Frauen, oder besser die Weiber so ausladend und freizügig mit dem Gold gemalt, weil er bei Professor Zweigelt die süßen Trauben des Rausches studiert hat. Dort ist es ihm in der Geist wiederfahren, üppig das seelenlose Gold auf das Leinen zu zimmern. Oder sollte man sagen, betten? Wäre mal interessant ein Barren Gold zu röntgen. Ob es wenigstens Knochen hat? Lange Rede kurzer Sinn, die Vermarktung dieses Maklers überfütterten Geschmacks und schlechter Verdauung weist über die Grenzen eines möglichen Kitsches hinaus und erobert ungeahnte Regionen in denen die Kunst zu physischen Schmerzen führt. Damit erlangt Klimt den Götterhimmel der Gesamtkunstwerker. Mit ihm nähern wir uns der Produktion der Wirklichkeit, des Inbegriffes moderner neuronaler Vernetzungen, meint Entsinnierung des Begriffs des Bildes an sich. Unmittelbare Vermarktung der Gefühle, Bedürfnisse und Begierden. Das Imitat ist vor dem Original produziert. Das Original ist quasi die Beglaubigung der Kopie. Neuronal gedacht. Ein memory für Kunsthistoriker. Also Film anschauen und weiter denken.