JOY`S JOY
Regie:  Neelesha Barthel  Genre: Drama  Jahr: 2005    Format: 16mm    Länge: 22 min
Produzent: Linda Kornemann

Inhalt: Rosie feiert ihren 14. Geburtstag auf Jamaika und wünscht sich, ihre Mutter Joy in Berlin zu besuchen. Die Wut überkommt Joy, als sie erfährt, dass ihre Tochter sich einfach ein Ticket gekauft hat. Per Videogruß will sie Rosie von ihrem Vorhaben abbringen.Doch die Wahrheit über Joy´s Leben in Deutschland bleibt - in der schummerigen Atmosphäre des Fotostudios- nicht lange verborgen. Atmosphäre des Fotostudios- nicht lange verborgen.

warum gescheitert: Mit diesem Film fing mein Scheitern an. Bis zum Rohschnitt dachte ich noch, dass es eine tiefe, emotionale Story ist. Aber leider hat der Film vor meinem Testpublikum versagt und mein Prof. an der Filmhochschule wollte ihn erst nicht abnehmen und später nicht mehr aufführen lassen. Erstaunlicherweise hat er dann doch einen Preis in Granada gewonnen. Das Problem ist die Hauptdarstellerin, sie spielt zu gross, Thats too much for northern europe, I guess.Aber die Spanier haben das nicht gesehen, sie fanden Das Vorurteil, das die schönen Exotinnen hirnlos nur für den wohlfeilen Gebrauch der sogenannten blassen Oberklasse bestimmt ihr Spiel grossartig. Darsteller: Yollette Thomas - Heinz Werner Kraehkamp - Klara Höfels - Leonardo Nigro

Unser Kommentar: Das Vorurteil, das die schönen Exotinnen hirnlos nur für den wohlfeilen Gebrauch der sogenannten blassen Oberklasse bestimmt sind, erhält hier einen zu Recht schmerzhaften Dämpfer. Das die attraktiven und körperbetonten MitbürgerInnen auf ihre Äußerlichkeit reduziert werden, ist zwar auch zum Teil selbstgewolltes Schicksal aber vor allem der Verantwortung all jener Männer zuzuschreiben, die glauben ihre eigenen mentalen Defizite durch das Viagra des Geldes kompensieren zu müssen. Der verengte Blick auf den Körper versperrt uns die Sicht auf die Seele, der zudem unterstellt wird, keine echten Gefühle zu haben. Vielleicht sind die Kritiker der Spielweise von Yollette Thomas diesem Trugblick auf dem Leim gegangen. Ich finde die Präsentation von Frau Thomas durchaus überzeugend und der Situation adäquat. Zugegeben sie spielt ein wenig mit ihrem Schmerz, kokettiert gar damit, so das man glauben könnte, sie fakt. Aber nur der, welcher wirklich Schmerz erlitten hat, wird diesen, aus Charme, Stolz oder anderen Schutzgründen nur mit Distanz und einem gewissen charmanten Sarkasmus offen legen. Wer nur nüchterne Schauspieler mit postbürgerlichem Pathos erträgt, sollte sich keine Künstler aus den sonnenverwöhnten südlichen Regionen unserer Welt anschauen. Menschen aus Orten , wo die wilde Leidenschaft noch jene von uns so angestrebte unreflektierte Indifferenz besitzt, gepaart mit Ironie und Selbstmitleid. Dies macht es dem Europäer erst einmal schwer ihnen zu folgen. Denn überrascht, schockiert sind wir plötzlich, wenn Joy von dem sexuellen Missbrauch durch den Onkels und seiner Freunde erzählt. So ganz nebenbei. So nebenbei wie Joy vorverurteilt wird. Neelesha Barthel hat es geschafft Vinterbergs artifizielles „Fest“ zu einem beeindruckenden Dokument zu destillieren und haut uns dieses nun hemmungslos um die Ohren, das wir aufwachen und Joy nur noch wünschen, das sie zu ihren Kernkompetenzen zurückfindet. Und diese sind: ein Herz zu haben, Licht