Regie:
Jan Rhein, Mark Kalbus Genre: Stummfilmdrama (mit Musik) Jahr: 2000 Format: miniDV Länge: 22 min
Produzent: Jan Rhein, Mark Kalbus
Inhalt: Irgendwann und irgendwo ziehen zwei namenlose junge Männer durch ein Niemandsland, unterwegs zu einem Ziel, das nur sie kennen. Sie stehen scheinbar unter Zeitdruck und müssen sich beeilen. Sie leben in vollkommener Einsamkeit, haben seit Beginn ihrer Reise keinen Menschen mehr erblickt. haben seit Beginn ihrer Reise keinen Menschen mehr erblickt. Der kontrollierte Rationalist #1 findet Zuflucht in einer Fotografie seiner Freundin Michelle, die er abgöttisch verehrt. Für #2 wird die Einsamkeit jedoch zur Tortur, da er sie ebenso wie die Natur in ihrer vollen Wucht verspürt. Zwischen den beiden entstehen Spannungen. #2 scheint etwas zu verbergen. Es herrschen Kommunikationsprobleme, #2 kann die Stille zusehends schlechter verkraften, ihm wird immer kälter... Inhaltsangabe 2: Zwei junge Männer, die durch die Natur laufen, stellen fest, dass sie die selbe Frau lieben. Der Film handelt auch inhaltlich vom Scheitern (des Verstandes über das Gefühl.)
warum gescheitert: Die vielen filmgeschichtlichen Anspielungen (v.a. Expressionismus und Surrealismus) werden vom Publikum nur schwer erkannt. Der Film hat einen enormen philosophischen Überbau, der das Verständnis des Films erleichtern würde, man müsste ihn eigentlich zweimal sehen. Bzw. sich eingehender damit beschäftigen. Ein anderer Grund für das Scheitern: Wenn man sich auf ihn einlässt, ist er spannend und teilweise witzig. Dies beweisen Leute, die sich den Film freiwillig angesehen haben, also keine Freunde, Festivalmitarbeiter oder Kritiker. Auf jeden Fall hat er ein oder zwei Szenen, die man wohl in Erinnerung behalten wird. Auswahlkommitees von Festivals, die den Film nur anspielen oder durchspuhlen, werden kaum verstehen können, was an ihm besonders sein soll. Die Tonspur und die Bilder gewinnen auf der großen Leinwand enorm an Wirkung, aber dazu kommt es leider fast nie. Allgemein gelobt wurde der Stummfilmook und die eigens komponierte Musik, die Handlung allerdings hat sich vielen nicht ganz erschlossen. Dies hängt mit dem Konzept zusammen, das wir damals vertreten haben: keine Angst vor Fehlern, und nicht gleich im ersten Film zu viele Kompromisse. Auf diese Weise sind sowohl gute spontane Ideen entstanden als auch welche, die wohl zu viele Erklärungen voraussetzen würden. Auf userer Homepage www.filmnaiv.de findet man zahlreiche theoretische Erläuterungen und auch das Konzept des Filmemachens, das wir damals vertreten haben. Das Problem: bei David Lynchs erstem Film haben die Kritiker die Erklärungen gefunden, hier mussten wir das selbst übernehmen. Ich fände es einen krönenden Abschluss für die Karriere dieses Film, wenn er auf eurem Festival zu sehen sein dürfte
Unser Kommentar: Zwei androgyne Werwölfe am nächtlichen Abendfeuer, bereit zum Aufbruch in eine neue Zeit. Der letzte Halt in der alten Welt. Dann in der Steppe, der ewigen Steppe, trabende Steppenwölfe, auf dem Weg zu sich selbst, mit dem Willen zur Macht im Herzen... Ein Stummfilm voller Melankolie und Sinnlichkeit. Ein Hauch von Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ Der Stummfilm komprimiert die Wahrnehmung, das philosophische Flanieren an der Gangway unterbewusster Bilder. Jede eingeblendete Texttafel muss in Betonung und Aussprache vom Zuschauer selbst geleistet werden. Er legt im wahrsten Sinnes des Wortes sein Gefühl in die Texte. Legt eine sinnliche Textur auf seine Netzhaut. Die Nähe zum stummen surrealistischen Theater eines Artauds eröffnet uns den Bühneraum zur Meditation. Soweit das manual(Benutzerhandbuch) des Filmes. Die Figuren, die Schauspieler hängen wie Marionetten an einer Idee, die über allen schwebt: die Initiation von jungen Männern. Dieser zärtliche Film ist voller geheimer Botschaften und leeren Bänke. Rimbauds singt ein stilles Abendlied am Rande des Waldes: Bist du mir treu mein Freund? Wie ein Bilderbuch öffnet sich jeweils die nächste Station: bis am Ende der einsamen Steppenwanderung ein Fischfang steht: Mädchen. 3 schöne Mädchen. Der Wunsch nach Heimat, Liebe, Vielsamkeit? Wäre da nicht das Bild der Treue. Treue bis in den Tod! Nacht und Dunkel, Tag und Helle sind so nah und gleichsam fern, das auch die Kamera dieses Spiel in seinen Extremen zu spielen weiß. Danke für die Stille.
fern, das auch die Kamera dieses Spiel in seinen Extremen zu spielen weiß. Danke für die Stille.