Wo dich keiner braucht
Regie:  Claire Walka  Genre: Kurzfilm, Drama (am ehesten)  Jahr: 2002    Format: 16mmoderBetaSP    Länge: 15 min
Produzent: Claire Walka

Inhalt: Befreit von Alltäglichkeit, Verpflichtungen oder festgesteckten Zielen, leben die Einzelgänger Jana und Jim im Strom flüchtiger Stimmungen. Als sie sich eines Tages auf einem ihrer Streifzüge begegnen, verbringen sie den Tag gemeinsam. Sie zeigen sich die Orte, die ihnen am meisten bedeuten und an denen sie ungestört in ihre Fantasiewelt abtauchen können. Doch bei dem Versuch, sich aus der gewohnten Abgeschiedenheit zu lösen, stoßen die beiden auf ihre eigenen Grenzen. gewohnten Abgeschiedenheit zu lösen, stoßen die beiden auf ihre eigenen Grenzen.

warum gescheitert: In diesem Film sind die Protagonisten am Alltag der modernen Welt gescheitert und leben zurückgezogen in ihrer Gedankenwelt. Als sie sich dann begegnen und im anderen einen "seelenverwandten" Menschen entdecken, scheiten sie erneut. Statt sich vom momentanen Glück mittreiben zu lassen und Hoffnung auf Veränderung zu schöpfen, bleiben sie in der eigenen Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen und an ein glückliches Leben sowie die eigenen Träume zu glauben, gefangen. Der Film wurde sogar auf manchen Festivals gezeigt, häufig aber auch nicht, denn viele fanden, dass er zu negativ ist, keine Lösung zeigt und darum zu wenig Hoffnung macht. Er erfüllt also keine pädagogischen Zwecke und schenkt einem einen nicht die Illusion, dass sich Menschen innerhalb kürzester Zeit verändern und aus Zwangssituationen befreien können, wie es bei der klassischen Dramaturgie vorgeschrieben ist. Es fehlt das Happy End, so dass der vor dem eigenen Scheitern oder vor der eigenen Langeweile ins Kino fliehende Mensch allein mit seinem Frust zurückbleibt.

Unser Kommentar: Eine Frau. Ein Mann. Zwei junge Menschen, wie zwei Würfel auf die Spielfläche einer Idee geworfen: kein Pasch...! Kein Gewinn..! Dann plötzlich doch: konspirative Begegnung auf dem Flughafen. Weißer Spray, wie Puderzucker oder dünnes Gift ist das kurze dünne Band ihrer Beziehung. Können Eintagsfliegen träumen? Er, ein Freund der Autobahnen... Sie, ein Fan von Abbruchhäusern...Beides Unorte, Utopien, romantische Träume. Kein Wald, kein Bach, nur Rauschen der Motoren...Unterm Asphalt wächst das Gras, auch wild. Nicht Kultur. Denn Kultur fordert Antworten, Verantworten, also ein Ort, wo man dich braucht. Wo man dich nicht braucht, keiner dich kennt. Romantische Selbstvergessenheit. Abhandensein. Eine Beziehung zwischen diesen beiden Schmetterlingslarven im stummen Sturm ihrer Unwissenheit kann nicht funktionieren. Weil sich zwischen ihnen, wie der Wind es mag, nichts wiederholt. Beständigkeit ist Erinnern, Erinnern ist lieben können. Lieben können, ist sich erkennen, sich kennen ist Er_Innern. Das ist der Teufelskreis der Kultur, anders der Tod. Ein kurzer Genuss, aber wie alles nicht wirklich. Die Bilder von Claire Walka laden ein zur Meditation. Zum unbeteiligtem Zusehen... Die nichtssagenden Dialoge sind weder spröde noch ölig. Man denkt an sich selbst und die Idee: was könnte das Lebens alles sein? Sie trennen sich. Klar. Er leidet, klar. Er vermisst, erinnert sie. Klar. Und sie werden sich wieder treffen. Klar. Und erwachsen werden. Klar! Der Film war auf etlichen Festivals, zu recht....Klar.(hwmueller)