Schneeweißrosenrot
Regie:  Christa Ritter + Rainer Langhans  Genre: Coming of Women - Drama  Jahr: 1993    Länge: 86 min
Produzent: Produktion: Kick Film München

Inhalt: Ein weibliches, eineiiges Zwillingspaar bricht Ende der Sixties aus Kassel auf. Erst Berlin, dann Bob Dylan, entscheidet sich aber für München. Dort sitzt ein "wilder" Mann, der Ex-Kommunarde hin heiratet Paul Gisela, die beiden tummeln sich bald im neuen Hollywood.Fun, Drogen. Jutta trifft Rainer Langhans. Welche Enttäuschung: der ist ganz anders wild, als Jutta es sich dachte. Er hat sich in eine Besenkammer zurückgezogen. Jutta bleibt. Daraus entsteht später der "Harem". In LA schluckt Paul ein bißchen zuviel und gerät ins Drogenkoma. Bis heute. Jutta bleibt die "Innenministerin", Gisela die "Außenministerin" der Zwillingscompany... Mit: die echten Zwillinge und ihre Begleiter: Paul Getty, Adolf Winkelmann, Sean Penn, Leonard Cohen usw.

warum gescheitert: Einerseits: Grimme-Preis und "besonders wertvoll", also nicht gescheitert. Andererseits wollte diesen Film kein Festival, nur eins in Australien. Und der WDR hat jede Daumen- schraube versucht. Der Verleih Kinowelt hat lieblos den Film (nicht) vermarktet. Weil es um Frauen geht, die lernen wollen (gibts das?) und weil der 68er Aufbruch noch immer als positives Thema vermieden wird. Man schämt sich? Oder man hats verdrängt...die Hightimes.

Unser Kommentar: Es ist, als hätte nie es einen Fischer, keine Grünen, keine Sachzwänge gegeben. Diese erfrischende Dokumentation aus den 70zigern bis heute, zeigt nicht nur, das Menschen durchaus auch ungekün- stelt vor der Kamera stehen können, sondern er auch, das eine, ja fast historische Dokumentation an den eigenen Wünschen und Träumen zu rütteln weiß. Man fragt sich irgendwann zwangsläufig,wie die Biografie der roh getrennten Zweilinge heute verlaufen würde, wo Sternchen,Schnuppen und Kometen, zwischen Viva und MTV hin und her gerissen völlig verzerrt erscheinen. Das diese Leichtigkeit schwer erkauft ist, verleugnet der Film nicht. Der Preis der luftigen Freiheit steht im Schatten des Leidens.Aber irgendwie sind alle Protagonisten, die wir heute alle kennen (Wenders/Kluge/Herzog/ und noch mehr) grundtief sympathisch und man wird irgendwie neidisch und fast melankolisch bis trotzig wütend, das man zu den Spätgeborenen gehört. Andersherum ernten wir heute aber auch die Früchte dieser wilden Zeit: Freiheitliches Denken, Selbstbewusstsein, nebst Individualität und (ökologische Weitsucht). Und die Lust, ja die Lust, in jeder Hinsicht. Diese für uns selbstverständlichen Werte haben wir dieser Generation verdanken, das wird immer wieder gerne vergessen Menschen,die sich was getraut haben(und konnten) Rainer Langhans ist ein ausgesprochen genauer Beobachter, der mit schlafwandlerischer Präzision die heiß gestrickte Nadel bohrend in die offenen Fragen webt. Das macht den Film so persönlich und bringt